REDEMANUSKRIPT
Gunzenhausen 2012

Herr Pütz von Fabeck, Stadtmuseum Gunzenhausen 2012

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kunst,
herzlich Willkommen im Stadtmuseum Gunzenhausen. Herzlich Willkommen zu einer kleinen wissenschaftlichen Sensation, deren Zeuge Sie hier und heute sein werden. Doch dazu später mehr …

Als der Eröffnungsredner noch ein kleiner Bub war, ich meine jetzt körperlich, da gab es klare und unzerstörbare Vorstellungswelten, mit fast immer gleichen realen Abbil­dern.

Der liebe Gott, ja der liebe Gott, das war so ein korpulent, grauhaarig wallend, gera­dezu opulent, großväterliche Kerl, meist im komplett unrasierten Zustand mit gütig strengem Gesichtsrunzeln, gekleidet in Michelangelo-faltige Gewänder.
So sah er aus, zumindest für mich, so und nicht anders!

Sein Sohn, Gottessohn Jesus, war . ein geradezu athletisch, bierbauchfreier, groß gewachsener Mittdreißiger, im Gegensatz zu seinem Vater meist rasiert, aber gleich­zeitig mit einer Haarpracht versehen, die jedem Musicaldarsteller in den späten 70er Jahren zur Figaroehre gereicht hätte.
So muss er gewesen sein, so und nicht anders!

Der Heilige Geist, dieser Dritte im Bunde, hatte die niemals hinterfragte Gestalt eines weißen Vogels aus der Gattung derer, die entweder als Feindbild für kotbedrängte Großstädter oder als Zeichen des Friedens herhalten muss!
So kommt er von oben, der Heilige Geist, so und nicht anders!!

Und natürlich war da dann noch die Seele des Menschen, das, was wir alle in uns tragen, das „Mehr“ als das körperliche Sein, das was uns einzigartig und unvergess­lich macht.

Schon als kleines Kind war mir klar, dass die Seele des Menschen aussehen muss, also die muss aussehen … ja, wie eigentlich??

Bis heute haben sich Unzählige erfolglos daran versucht, ein klares Abbild der menschlichen Seele für alle erkennbar zu finden und darzustellen! Mal sind es denLeichnamen entschwindende Farbflecken, mal sind es neben die Person gestellte Geistwesen, mal muss die innere Stimme herhalten, was in einer Waschmittelwer­bung mit einer zweigeteilten Hausfrau bei der Wahl des richtigen Weichspülers ge­gipfelt hat!

Nichts davon hat mich von klein an wirklich überzeugen können und so richtig klar war mir bis heute eigentlich nicht warum!?

Da kommt jetzt so ein gebürtiger Römer, namens Alessandm Serafini, daher und bringt für mich eben mal so die Antwort ins Stadtmuseum Gunzenhausen mit.

Die Seele ist ganz einfach darzustellen, man muss nur mittlerweile annähernd fast 7 Milliarden Stimmungen weltweit aufnehmen und sie kurz und bündig auf Leinwand festhalten!
Die Seele des Menschen, das ist das ernsthaft positive Abbild des Menschen unse­res Antlitzes selbst!

Die Schönheit des Blickes, die Zärtlichkeit des Mundes, die wasserdunkle Tiefe der Augen, die stille Sprache der Lippen!!

Alessandro Serafini ist ein Stimmungsfänger, ein Seelenmaler. So lieber Alessandro, so könnte die Seele aussehen, so und nicht anders … möglicherweise .. .!

Doch wie erklärt man dies Kindern, einem Buben wie mir, wenn sie nicht hören, nicht reden können, wenn sie nur sehen können?!

Nicht mit Himmel hoch greifend pathetischen Erklärungen, der Bubi kann ja nichts hören!
Nicht mit der Aufforderung, der Bub solle Erfahrenes erzählen, der Junge kann ja nicht sprechen!
Nein, man erklärt dies mit der Schönheit, der Wahrhaftigkeit, der Ästhetigkeit des Daseins, mit einem anmutend lächelnden Gesicht, der Bub kann ja Sehen!

Meine Damen und Herren,
Alessandro Serafini weiß, wie man die Seele des Menschen erklärt, er war fünf Jahre in Italien als Zeichenlehrer für taubstumme Kinder tätig und dies hat ihn offensichtlich bewusst oder unbewusst zutiefst geprägt.

Keines seiner Seelengesichter hat den Mund zum Sprechen geöffnet, bei fast allen sind die Ohren, bis auf eine der ästhetikgeschuldete Erhebung reduziert, bei allen meint man durch die offenen oder geschlossenen Augen geradezu eindringlich intim auf die Seele blicken zu können. Die Seele des Bildes, sie muss nicht schreien, sie muss nicht hören, sie hängt unaussprechlich klar in der renaissancehaft · schönen Darstellung der Stimmungen der Werke Serafinis.

Alessandro, der seit 1987 in Eichstätt lebt und arbeitet, setzt zu dieser Stimmung ge­radezu stillebenartige Bezugspunkte wie Fische, Zitronen, Vögel, Äpfel und so wei­ter, deren symbolhafte Kontrapunkte zum ruhigen Gesicht der portraitierten Seele? zur Nachdenklichkeit, Skepsis und Ruhe der in die Welt auf uns schauenden Frau, geradezu beruhigend irreführend wirken.

Die Spannung im Verhältnis zwischen dem Tier, dem Gegenstand und dem Ge­sichtsausschnitt ergibt sich erst in dem Betrachter des Werks selbst. Serafini spielt dabei gekonnt mit den Techniken seiner historischen Vorbilder, wie dem Niederlän­der Van der Weyden, aber auch Leonardo da Vinci oder Bartolomeo Veneto. Durch die offensichtliche Ausrichtung zur Vergangenheit in der Wahl der Darstellungsform, unter gleichzeitiger provokanter Negierung aktueller Kunstströmungen, wirkt er dabei überraschend zeitgemäß und neuartig.

Sein Ziel ist, dabei ein äußerst hehres Ziel: Die Zeitlosigkeit der Kunst, der Wertigkeit der Schönheit der menschlichen Seele, unabhängig von aktuell schnell wiederverpuf­fenden Kunstströmungen!

Der heute über 50 jährige Künstler konnte mit dieser antiken, ja fast seinen Gesich­tern entsprechenden Darstell1:mgsweise bereits viele Seelen auf nationalen und in­ternationalen Ausstellungen berühren und so ist es der Stadt Gunzenhausen und mir eine Ehre, ihn heute hier mit seinen Werken begrüßen zu dürfen.

Lassen sie sich beseelen von seinen Bildern, von den Stimmungen der Arbeiten, von der beeindruckenden Darstellungsweise von Alessandro Serafini.

P.S.: Sie vermissen vielleicht die Aufklärung über die kleine wissenschaftliche Sen­sation, die ich Anfangs angekündigt habe. Nun ja meine Damen und Herren, ich finde es schon einzigartig, dass es hier und heute offensichtlich gelungen ist, dem kleinen Bub, der heute die Vernissage eröffnen durfte, eine klare Vor­stellung von dem Antlitz der menschlichen Seele zu geben!
So muss sie aussehen, so und vielleicht auch nicht anders…

Herzlich Willkommen

NEWSLETTER ABONNIEREN

Unser Newsletter informiert Sie ausschließlich über aktuelle Ausstellungstermine und Aktionen von Alessandro Serafini.

Datenschutz

Danke! Prüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang und bestätigen Sie Ihr Abo.